Über Tiere – Teil 6
von Dr. Stefan Lanka & Ursula Stoll
Über Tiere – Teil 6
In diesem Teil kommen wir auf die traurige Seite der sogenannten Überzüchtungen zu sprechen, treffenderweise als Qualzucht bezeichnet. Achtung: Diese verstümmelten Wesen haben nichts mit kleineren Hunderassen zu tun, beispielsweise den Maltesern. Die Malteser-Hunderasse existiert schon seit über 2000 Jahren. Sie waren und sind Gesellschaftshunde, dienten vormals aber auch als Mäuse- und Rattenfänger – aber primär als geschätzter Begleiter. Wer die Malteser kennt, der weiß, wenn ihnen etwas nicht passt, aber auch aus Freude kläffen sie bis zum Anschlag!
In diesem Abschnitt geht es um die Qualzuchten, die durch verachtenswerte Züchtung auf optische Merkmale abzielt und die Tiere zu lebenslangen Leiden zwingt. Betroffen hiervon sind meist Hunde (z. B. Mops, Französische Bulldogge), Katzen (z. B. Nacktkatzen) und Kleintiere (z. B. Satin Meerschweinchen).
Die Qualen, die durch die Kurzköpfigkeit-Zucht, z. B. bei Möpsen, Bulldoggen, Pekinesen, Chihuahua, Widderkaninchen, Perserkatzen, British Kurzhaar usw.) entstehen beschränken sich nicht nur auf die Kurzatmigkeit, sondern sind der Kompost für unzählige Folgekonflikte. Aus diesem Grund leiden diese Tiere nicht „nur“ unter ständiger Atemnot, weil durch die extrem verkürzte Schnauze und dem flachen Schädel die Atemwege verengt sind, sondern auch unter sehr vielen weiteren Schocks. Das Widderkaninchen muss beispielsweise zusätzlich die Taubheit ertragen, weil es für seinen biologischen Code unabdingbar ist über das Gehör und die Nase den Feind wahrzunehmen. Wegen der Verengung der Atemwege kann es aber keine optimale Witterung aufnehmen, aufgrund dessen sind Hörkonflikte und/oder Hörbrockenkonflikt die Folge.
Diese Folgekonflikte sind nicht lösbar, weil die Wurzel des Übels, der Ausgangspunkt für ihre Pein, der Mensch und die Verstümmelung auf Lebenszeit ist.
Die Schädelmissbildungen, wie z. B. beim Zwergspitz/Pomeranian führen zu Gehirn- und Schmerzproblemen, vorwiegend wenn ein Konflikt gelöst wird und es im Gehirn zur Ödembildung kommt (PCL-A-Phase). Wenn vorher schon kein Platz (rein „physiologisch“) da ist, kann dieser Zustand zu einem Worst Case führen. Hingequälte Skelettdeformationen (verkrüppelte Gliedmaßen), wie beim Dackel führen nicht selten zu einer Lähmung (Dackellähme), weil der biologische Impuls zum Bewegen bleibt, die Physis aber nicht mitkommt. Ein motorischer Konflikt kann dabei nicht ausbleiben. Doch auch dieser ist nicht lösbar, weil die Radix des Übels in der Verstümmelung liegt. Faltohrkatzen können aufgrund ihrer menschengemachten Deformation an den Ohren weniger gut hören. In der Folge leiden sie häufig unter schmerzhaften Knorpel- und Knochenschäden, da ihr Selbstwert, ihr Überleben, vom Gehör abhängig ist! Hinzu kommt eine fehlende Beweglichkeit der Ohren, der für die Tiere lebensnotwendig ist, beispielsweise um ihre Nahrung zu bekommen oder ihre Stimmung gegenüber Artgenossen richtig zu signalisieren. Folgekonflikte sind unabsehbar!
Nacktkatzen (Sphynx) leiden am stärksten unter Kälte, Sonnenbrand, erhöhter Verletzungsgefahr und Hautproblemen, weil ihnen das lebenswichtige Fell für ihre Spezies fehlt, dass sie zur Orientierung, für ihren Tastsinn und für ihre Thermoregulation benötigen. Der von der Haut produzierte Talg kann von keinem Fell aufgenommen werden und dichtet, bzw. verklebt die Haut, ab. Nur durch Bäder, kann dieser Talg entfernt werden. Jeder weiß, dass die meisten Katzen Waschungen verabscheuen. Durch die fehlenden Schnurrhaare sind sie Orientierungslos und in der Kommunikation massiv beeinträchtigt, was den Folgekonflikt der Herzmuskelerkrankungen (Überforderungskonflikt/Kammermuskulatur) unausweichlich macht.
Die provozierte Stoffwechselkrankheit bei den Satin-Meerschweinchen führt dazu, dass die Haare hohl sind und sie darum ein seidig glänzendes Fell haben. Ihr Pelz wird dadurch extrem dicht, fein und hat einen seidigen Schimmer. Den Nachteil hat natürlich das Lebewesen zu tragen: Verbunden mit der Stoffwechselerkrankung wird Kalzium dem Knochen entzogen. Keiner dieser Frankensteiner kann diese Erkrankung heilen. Die Tiere sterben frühzeitig jammer- und qualvoll durch die Schmerzen der Knochenbrüche.
Die Nachfrage an diesen gemarterten Lebewesen ab Geburt wird wie so oft von den Medien und Prominenten (Kasperle- oder Marionettentheater schon seit Jahrtausenden auch ohne Fernseher übertragbar) propagiert und damit in den Köpfen installiert. Aus diesem Grund kann uns nur die Vernunft (siehe „Kant“, kritisches Denken; „Kant – der bestirnte Himmel“ von S. Mohr) und die „Ehrfurcht vor dem Leben“ die Erkenntnis bereitstellen, dass wir als Menschen die Verantwortung im Sinne der Nächstenliebe haben dieses große Verbrechen abzustellen.
So enden wir mit dem Worten des Anfangs:
Wer diese „Ehrfurcht vor dem Leben“ in seinem Herzen spüren kann übernimmt Verantwortung für sich selbst, für seine Mitmenschen und -tiere. Das Wichtigste aber ist, dass man Nächstenliebe empfinden kann und dass man weiß, dass wir Tod und Leid über ein anderes Wesen nur bringen dürfen, wenn eine unentrinnbare Notwendigkeit dafür vorliegt und dass wir alle das Grausige empfinden müssen, das darin liegt, dass wir aus Gedankenlosigkeit leiden machen und töten. Denken wir nicht alle so darüber? („Aus meiner Kindheit und Jugendzeit“ von Albert Schweitzer, Verlagsbuchhandlung Oskar Beck, 1924).
Möge der Mensch zu Verstand und zur Besinnung kommen!
Bildnachweis: Bild im Beitrag von Pexels from Pixabay und Titelbild von Dr. Stefan Lanka (eigenes Archiv)
